Klingende Wasser im Weltkulturerbe

Großes Interesse an den „Klingenden Wassern“ im UNESCO-Weltkulturerbe

Modern gesprochen ein absolutes „Highlight“ , ein weiterer 0utstanding Universal Value in der Begrifflichkeit der UNESCO , in der Sprache des Fachmanns waren es „Hydropneumatische Musik- und Geräuschautomaten“ , die am Freitagabend , den 25.1., eine große Zahl von interessierten und diskussionsfreudigen Zuhörern in den Hörsaal der Universität an der Wilhelmshöher Allee gelockt hatten. Eingeladen hatte die KGKW mit ihren Kooperationspartnern; wir als Verein hatten die Ehre, den Abend einleitend und abschließend zu moderieren. Als Referent war Dr. Alexander Ditsche gewonnen worden. Dr. Ditsche arbeitet nach umfassenden kunsthistorischen Studien und Promotion in Bonn (2015) heute als Gebietsreferent im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Die veröffentlichte Dissertation findet sich im Bestand der MHK-Bibliothek im Kirchflügel des Schlosses und ist dort für jedermann einsehbar. Die Dissertation setzt wie auch der Vortrag am Abend Schwerpunkte zunächst auf der „Technischen Funktionsweise“ der Hydropneumatik, dann der Musik der Wasserautomaten und der Bedeutung der Automatophone für die Konzeption und Nutzung der Gartenanlagen: Über diese zeitgemäß „modernen“ Apparate regelten Fürsten, Adelige oder reiche Stadtbürger wie in Florenz unter anderem ihr zeitgenössisches Konkurrenzverhalten. Seit der Renaissance vergrößerte sich „paneuropäisch“ deren Zahl auf über sechzig und erweiterte sich der Radius der Aufstellungsorte enorm. Hier erscheinen die Automatophone in Kassel in hervorragender Gesellschaft gleichberechtigt neben denen der Villa d’Este in Tivoli, der Villa Medicea in Pratolino oder der Parkanlagen in Saint-Germain-en-Laye, um nur einige zu nennen. Heute sind die Wilhelmshöher Vexierwassergrotte mit ihrer hinter der Figur des Polyphem versteckt aufgestellten Wasserorgel und das Riesenkopfplateau mit seinen beiden zu Beginn der Wasserspiele tönenden Hörnern 2 von insgesamt nur noch 7 (!) Orten in Europa, an denen der authentische Mechanismus noch funktioniert. Umso unverständlicher sei es für ihn, so der Referent, dass in der abschließenden Begründung der ICOMOS für die Nominierung des Bergparks der Aspekt der wasserbetriebenen Klangerzeugung (nach einer kurzen Nennung im Bewerbungsdossier) hinsichtlich des OUV „völlig unberücksichtigt“ geblieben sei. Bei den „offenen Fragen“ zur aktuellen Situation der Automaten innerhalb der Wasserspiele des Herkules äußerten die Zuhörer - darunter auch viele Vereinsmitglieder - die Bitte an die MHK , die authentische Musik baldmöglichst in den Park zurückzubringen; eine unumgänglich gewordenen Rekonstruktion der Wasserorgel stehe ja seit einiger Zeit im Magazin bereit. Auch dem „Original“ mit Eingriffen von 1938 sollte in Zukunft wieder mehr Beachtung geschenkt werden. (Brigitte Noll)