C. G. Hammer, Die große Fontäne, um 1830. Museumslandschaft Hessen Kassel, Graphische Sammlung
C. G. Hammer, Die große Fontäne, um 1830. Museumslandschaft Hessen Kassel, Graphische Sammlung

Bild: Hammer, Die große Fontäne, um 1830. Museumslandschaft Hessen Kassel, Graphische Sammlung

Gerd Fenner (Historiker) führt Sie an versteckte Orte im Bergpark. die noch immer ein Geheimtipp sind.  Das Bild beschreibt das

große Kasseler Pfingstereignis im 19. Jahrhundert, das regelmäßig am 2. Pfingsttag stattfand. 

Anders als heute waren die Wasserspiele in Wilhelmshöhe früher nicht regelmäßig zweimal in der Woche während des Sommers zu sehen. Sie „sprangen“ nur zu bestimmten Anlässen oder für zahlungskräftige Besucher. In der Zeit Landgraf Friedrichs II. (reg. 1760 – 85) wurden dann mehrere Tage im Jahr als feste Termine bestimmt und damit einer breiten Öffentlichkeit die unentgeltliche Teilnahme an dem besonderen Schauspiel ermöglicht. Von den vier festgelegten Tagen Himmelfahrt, Pfingsten und zwei Sonntagen während der Herbstmesse, entwickelten sich die beiden ersten und insbesondere der dritte (später der zweite) Pfingsttag zu einem

Großereignis, das ganz Kassel in seinen Bann zog. „Einmal im Jahre und am liebsten an einem der genannten Tage muß auch der schlichteste unbemittelste Bewohner in oder um Kassel sein Wilhelmshöhe mit Familie besuchen, und die jedem erlaubten manichfaltigen Freuden, welche ihm dasselbe bietet, ungestört genießen“, wie G. A. Lobe in seinen „Wanderungen durch Cassel und die Umgegend“ 1837 mitteilt.

So ließ auch der unglückliche Kasseler Gerichtsreferendar und Dichter Ernst Koch in seinem „Prinz Rosa Stramin“ von 1834 den Kanzlisten zu zwei Fremden sprechen: „Jawohl! unser liebes Kassel ist reich an Schönheiten. Aber wenn Sie Wilhelmshöhe einmal am zweiten Pfingsttage besuchen, so werden Sie ganz Kassel dort oben treffen.“ Dieser Einschätzung stand Franz Dingelstedt, 1836 – 38 Lehrer am Kasseler Lyceum Fridericianum und viel später Direktor des Wiener Hof-Burgtheaters, in seinem satirischem Roman „Die neuen Argonauten“ (1839) nicht nach: „Das ist eine anerkannte Sache, daß, wer Kesselstadt (Kassel) in der heiligen Pfingstwoche nicht gesehen, überhaupt nichts sah. Alle Kesselstädter gestehen das selber ein, trotz ihrer ebenso anerkannten Bescheidenheit. Die Pfingstwoche ersetzt für Kesselstadt die olympischen Spiele, es ist seine Settimana santa, sein Saturnalienfest, seine – Pfingstwoche.“ Zu den Einheimischen gesellten sich aber auch noch andere Besucher, unter denen die Studenten durch ihr oft recht lebhaftes Auftreten unübersehbar waren: „An jedem Pfingststag strömte die ganze Studentenschaft von Göttingen, Marburg und Gießen dahin; auch Jena und Halle stellten ihr Contingent. Man hat zuweilen nahe an zwei Tausend gezählt. Am ersten Festtage wurde in der Carlsaue commercirt, und am zweiten ging es zu Wagen, zu Pferde und in hellen Haufen zu Fuß nach Wilhelmshöhe. [...] Das Aufsteigen des mächtigen Strahls der Riesenfontaine begrüßten sie mit stürmischen Vivats und lagerten sich dann zum Schlusse auf dem sonst vor einem jeden Betreten bewahrten Bowlinggreen“ (Friedrich Müller). Text Gerd Fenner