Schloss Wilhelmshöhe

Anstelle des Jagdschlosses des Landgrafen Moritz entstand unter Wilhelm IX einer der letzten Großbauten des Absolutismus, die klassizistische Sommerresidenz Schloß Wilhelmshöhe (1786–98). Die ursprünglich im anmutigen

Pavillonsystem nach englischem Vorbild gebaute Dreiflügelanlage des Architekten H. C. Jussow wurde zu Beginn des 19. Jh. durch den Oberhofbaumeister J. C. Bromeis blockartig geschlossen. Der im Krieg zerstörte und wieder aufgebaute Mittelteil beherbergt seit 1974 die weltberühmte Gemäldegalerie Alter Meister (Cranach, Dürer, Rembrandt, Hals, Rubens, van Dyck, Jordaens, Tizian) und die Antikensammlung (Kasseler Apollon). Im unzerstört gebliebenen südlichen Weißensteinflügel präsentieren sich Schlossräume mit historischer Einrichtung.

Blick auf den Weißenstein-Flügel.
Blick auf den Weißenstein-Flügel.

 

Blick auf den Weißenstein-Flügel

Nördlich des Residenzschlosses liegt das unter König Jérôme als Theater (1808–09) erbaute spätere Ballhaus, ein Frühwerk von Leo v. Klenze. Während der Sommermonate dient es für Sonderausstellungen der Staatlichen Museen Kassel. Das benachbarte Gewächshaus, 1822 von Bromeis erbaut, ist eine der ersten Glas-Eisen-Konstruktionen Europas. Es zeigt unter anderem eine sehenswerte Kameliensammlung, Palmen und andere tropische Gewächse.

Neben dem Sommerschloss entstand unter Wilhelm IX die Löwenburg (1793–1801), die zu den wichtigsten Beispielen der neogotischen Ruinenarchitekturen des Kontinents gehört und eine wertvolle mittelalterliche, frühneuzeitliche und romantische Ausstattung beherbergt. Der antikisierende Aquädukt (1788–92), überragt von der Ruine eines römischen Wachturms, bildet das klassische Gegenstück zur romantischen Burganlage.

Ein wertvolles Element der Exotismen des 18. Jh. ist das Chinesische Dorf »Mou-lang« jenseits des Rhododendron-Tales im südlichen Parkbereich. Einige Häuschen und die Pagode der unter Landgraf Friedrich II um 1780 begonnen Anlage sind noch erhalten. Der Apollotempel am Fontänenteich, der Merkurtempel, die Säulenhalle am Rande des Bowlinggreen oder die Eremitage des Sokrates sind weitere eindrucksvolle Beispiele für die Parkarchitekturen des 18. und des frühen 19. Jh.

Nicht nur wegen seiner Größe (Schloss und Herkules liegen 1,5 km und 250 Höhenmeter voneinander entfernt) ist der Bergpark Wilhelmshöhe einmalig. Im Gegensatz zu anderen barocken und nach englischem Vorbild veränderten Schlossgärten wurde hier ein Prinzip umgekehrt: Nicht die formale Gartenanlage direkt vor dem Schloss blieb erhalten, sondern die ferne barocke Kaskade mit dem Oktogon. Vom Herkules herab wurde der Park dem Fluß des Wassers folgend entwickelt.

Der Bergpark Wilhelmshöhe hat in seiner gestalterischen Qualität eine außerordentliche Bedeutung für die europäische Geschichte der Gartenkunst. Deshalb steht er auf der deutschen Auswahlliste für das UNESCO-Welterbe.

 

Interessante Beiträge über den Bergpark Wilhelmshöhe, den Herkules und die Wasserspiele finden Sie unter "Archiv/ Kulturmagazin-k"

 

Zu einer interaktiven Landkarte des Bergparks mit vielen historischen Fotos gelangt man mit folgendem Link:

 

http://stepmap.de/karte/bergpark-wilhelmshoehe-113648

Eine ausführliche historische Darstellung zu Wilhelmshöhe findet man im HNA-Regiowiki:

http://regiowiki.hna.de/Schloss_Wilhelmsh%C3%B6he