Kassel, die Gartenstadt - Historische einmalige Parks prägen die Stadtgestalt

Die Stadt München wirbt mit ihrem Englischen Garten und erklärt, zu den weltweit wenigen Städten mit großen innerstädtischen Parkanlagen zu gehören. Auch Kassel besitzt mit seiner Karlsaue ein solches Highlight einer historischen Gartenanlage direkt in seiner Innenstadt und darüber hinaus den Welterbe-Bergpark Wilhelmshöhe, die barocke Anlage Wilhelmsthal sowie Park und Schlösschen Schönfeld mit seinem Botanischen Garten. Ferner ist Kassel umgeben von einer Vielzahl von Park-und Gartenanlagen, die herrschaftliche Landsitze umgeben, liebevoll restauriert und gepflegt sind.

 

Die imposante Wilhelmshöher Allee verbindet als grünes Band den Bergpark und die Innenstadt, von Welterbe zu Welterbe -Herkules und Wasserspiele im Bergpark- mit dem Memory of the World: den Grimmschen Hausmärchen. Die Aufnahme der barocken Achse auch in der Ausrichtung  anderen wichtigen Straßen der Stadt von Ost nach West wiederholt das Prinzip von Sichtachse und Grünanlage. Von den vielen Alleen, welche die Landgrafen sternförmig ins Umland legen ließen, sind heute viele noch erhalten. Die Stadtverwaldung von Beuys mit 7000 Eichen betont die Bedeutung des Stadtgrüns, das diese Stadt so prägt und neben dem von überall sichtbaren Wald der umgebenden Berge so attraktiv macht. Der Stadtteil Brasselsberg war als Gartenstadt konzipiert, auch Mulang hatte diesen Charakter. Leider ist dies heute infolge verdichteter Bebauung kaum noch erkennbar. Innerstädtische Grünanlagen waren auch den Stadtplanern der Moderne wichtig, sie konzipierten grüne Bänder und Oasen innerhalb der Stadtviertel (Stadthallengarten, Goetheanlage).

Die landgräflichen Gärten in und um Kassel – Gartenkunst und Gartenlust

Mehrere Generationen von Landgrafen arbeiteten für und an der Gestaltung großer Park- und  Gartenanlagen, alle Planungen und Umsetzungen wurden von großen, hochbezahlten Gartenarchitekten genau dokumentiert und finden sich heute in den Parkpflegewerken wieder. „Landgraf Karl plante die Anlage zweier repräsentativer Gartenanlagen, um auf europäischer Ebene die Ansprüche der Dynastie Hessen-Kassel zu manifestieren. Um das Jahr 1700 konzipierte er außer der prachtvollen französisch inspirierten Karlsaue am Hang des Habichtswaldes eine gigantische Kaskadenanlage von bis dahin nicht gekannten Ausmaßen“ (Fischer 2010). Die Gärten dienten der höfischen Gesellschaft als Bühne für kulturelles und geselliges Leben, aber auch als Darstellung ihres Wissens, ihrer Geisteshaltung und ihres Reichtums. Alle Parks dienten ursprünglich auch als Jagdgebiete. Eine sozial-kritische Sicht auf die Verschwendung von Steuergeldern und die Ausbeutung der Bauern, die auch Kalbfuss (1972) nennt, kann hier nicht erfolgen. Von allen Parks wurden Randbereiche im Laufe der Jahrhunderte städtischen oder anderen Nutzungen zugeführt, was natürlich auch Verluste bedeutete.

Die drei großen Parkanlagen Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal bilden einen „Dreiklang“ (Schwarze 2007). 1999 waren diese drei Kasseler Parks für die Tentativliste der UNESCO vom Land Hessen angemeldet worden. 2011 wurde der Bergpark Wilhelmshöhe offiziell als deutsche Bewerbung für einen Platz auf der Liste des Kulturerbes der Welt nominiert, 2013 wurde das Prädikat erteilt.  

 

Gartendenkmal – Gartendenkmalpflege

Die drei bedeutenden historischen Gärten in und um Kassel gehören dem Land Hessen. Sie wurden bis 2005 von der Verwaltung Schlösser und Gärten in Hessen in Bad Homburg verwaltet und sind nun der Museumslandschaft Hessen Kassel (mhk) zugeordnet.

"Historische Gärten gehören zu den Elementen des kulturellen Erbes, deren Fortbestand naturbedingt ein Äußerstes an unablässiger Pflege durch qualifizierte Personen erfordert.
…Das Interesse an historischen Gärten muss durch alles geweckt werden, was geeignet ist, dieses Erbe zur Geltung zu bringen, es bekannter zu machen und ihm zu besserer Würdigung zu verhelfen: Förderung wissenschaftlicher Forschung, internationaler Austausch und Verbreitung von Informationen, wissenschaftliche Veröffentlichungen und populäre Darstellungen; Ansporn zur geregelten Öffnung der Gärten für das Publikum, Sensibilisierung für natürliche und kulturelle Werte mit Hilfe der Massenmedien."
Aus den Artikeln 24 und 25 der Charta der historischen Gärten, genannt ‚Charta von Florenz’, 1981*

Um diesen Aufgaben nachzukommen wurden Parkpflegewerke für die drei Parks erstellt, für Wilhelmsthal noch nicht abgeschlossen. Ohne Zweifel sind die Herausforderungen an gärtnerische Kompetenzen und Wissen in historischen Parks besondere. Laufende Fortbildung und Schulung durch die Fachgesellschaften für historische Gärten sind erforderlich. So gesehen, sind Mittelkürzungen, Stellenabbau und Personalknappheit, die hier wie fast überall im öffentlichen Bereich zu finden sind, gerade für den Fortbestand unserer Parks eine tragische Entwicklung. Der Verein lädt regelmäßig Gärtner der mhk unentgeltlich zu seinen Exkursionen ein. Unter dem Stichwort „denkmalverträglicher Tourismus“ wurde an vielen Stellen beraten, wie ein historischer Park auch geschützt werden muss und wie gleichzeitig möglichst viele Besucherinnen und Besucher eine Erlebnis- und Aufenthaltsqualität erhalten.