Sanierung der Löwenburg

Die Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe wird derzeit für 30 Millionen Euro vom Land Hessen saniert. Begonnen hat die Sanierung mit einer gründlichen Reinigung von Kapelle und Rüstkammer. Seit März 2019 sind Führungen in Rüstkammer und Löwenburg wieder möglich. Aufgrund von umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen ist die Löwenburg derzeit seitlich über den Marstall zugänglich.

Hier können Sie einen virtuellen Rundgang durch die Löwenburg vornehmen und sehen, wie sie nach dem Krieg

eingerichtet war. Auch die Gruft von Wilhelm IX ist zu sehen. >>>

Bergfried

23 Meter über dem Innenhof der Löwenburg soll der große Turm des Bergfried eine Besucherplattform bekommen. 

Rüstkammer

Bild HNA 5.10.2016
Bild HNA 5.10.2016

Kapelle


Geschichtliches

"In Sichtbeziehung zum Schloss Wilhelmshöhe und zum Herkulesbauwerk erhebt sich oberhalb der wildromantischen Wolfsschlucht über einem aufgelassenen Steinbruch die hinter dichter Vegetation verborgene Löwenburg. Die teilweise künstlich ruinös gestaltete, gotisierende „Ritterburg“ wurde zwischen 1793–1801 durch Jussow für Landgraf Wilhelm IX. errichtet.
Damit zählt sie zu den frühesten romantischen, pseudomittelalterlichen Burgruinen auf dem europäischen Kontinent, die dem Bauschema einer komplexen mittelalterlichen Burganlage folgen. Über die nördliche und südliche Schmalseite der Löwenburg erschließt sich über zwei Tore, die mit Zugbrücken versehen sind, der langgestreckte Innenhof, um den sich die einzelnen Gebäudeteile gruppieren. Der zunächst asymmetrisch verschachtelten und in Teilen ruinös anmutenden Architektur aus hiesigen Tuffsteinen liegt eine klare Struktur zugrunde. Im östlich gelegenen Gebäudetrakt befinden sich die hochwertig ausgestatteten Wohngemächer, die der dem barocken Schlossbau entlehnten Konzeption der Maison double folgen: Um die repräsentativen Gesellschaftsräume (Speisesaal, Bibliothek, Rittersaal und Galerie) im zentralen Bergfried und nördlichen Verbindungsbau sind in der Beletage des Herren- und Damenbaus die herrschaftlichen Appartements des Landgrafen und seiner Mätresse sowie weitere Gästewohnungen im Erdgeschoss gruppiert. Das räumliche Pendant zum Bergfried bildet auf der Westseite der Anlage die zentral gelegene Burgkapelle mit Gruft und Grablege des Bauherrn. Um die Kapelle sind Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude (Schweizer Wache, Küchenbau, Rüstkammer und Marstall) angeordnet. Zugunsten größtmöglicher Authentizität ließ Wilhelm IX. die Innenräume mit echten Waffen und Rüstungen des 16. und 17. Jahrhunderts, mittelalterlichen Glasmalereien und Mobiliar aus hessischen Schlössern und Burgen ausstatten und um gotisierende, neue Ausstattungsstücke ergänzen. Einzelne Gebäudeteile (Bergfried, Verbinder- und Küchenbau) wurden im Zweiten Weltkrieg durch Bombentreffer stark beschädigt. Das kostbare Mobiliar der Löwenburg konnte jedoch durch rechtzeitige Auslagerung vor einer Zerstörung bewahrt werden, so dass circa 80–90 Prozent der originalen Ausstattung erhalten sind. Ursprünglich lediglich als romantische, ruinöse Parkstaffage konzipiert, ist die Löwenburg bis 1801 zu einem bewohnbaren, voll ausgestatteten und funktionsfähigen Lustschloss ausgebaut worden, das als intimer Rückzugsort des Bauherrn vom höfischen Leben mit seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen dienen konnte. Zu den absolutistischen Raumfolgen im Inneren steht die gotisierende, in Teilen ruinöse Außenarchitektur in einem spannungsreichen Kontrast. Durch den Rückbezug auf das Mittelalter als „Goldenes Zeitalter“ und Zeit des altdeutschen Rittertums, schuf sich Wilhelm IX. mit der Löwenburg außerdem ein fiktives Stammschloss, das auf die Anciennität des Hauses Hessen-Kassel verweisen und damit die politischen Herrschaftsansprüche des Landgrafen untermauern konnte." aus dem Nominierungsdossier S. 65/66