Politikerumfrage aus dem dritten Teil der (k)-Magazin-Serie: Antworten von


Die (k)-Magazin-Ausgabe Dezember 02 / Januar 03 enthält eine Zusammenfassung von Antworten der Landtagskandidaten auf einen Fragekatalog zum Welterbe. Hier die Antworten in voller Länge, wie sie uns dankenswerterweise mitgeteilt wurden:

Tarek Al-Wazir,
Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag

Frage: Mit welchen Maßnahmen schaffen Sie in der kommenden Legislaturperiode die Voraussetzungen für die Bewerbung der »Landgräflichen Gärten« Kassel und Calden als UNESCO-Welterbe?
Antwort: Zu einem Umfeld Weltkulturerbe Park Wilhelmshöhe / Karlsaue und Wilhelmsthal passt kein Flughafen Kassel-Calden. Deshalb darf er nicht ausgebaut werden. Bei der Bewertung der Bewerbungen spielt das Umfeld eine große Rolle. Die Region muss zeigen, dass die historischen Anlagen eingebettet sind in eine umweltverträgliche und zukunftsfähige regionale Entwicklung. Die Anerkennung zum Weltkulturerbe wäre ein zentraler Schritt in einen Kultur-Tourismus, der im Zusammenhang mit dem Museums und Kulturstandort Kassel (documenta!) der Region dauerhaft Besucher und damit Interesse für die Region und Arbeitsplätze sichert.
  Eine ernsthaft betriebene Bewerbung der Stadt Kassel zur Kulturhauptstadt 2010 ist sicher auch eine geeignete Maßnahme um zu zeigen, dass die Region auf den Faktor Kultur baut.
   Über das Bürgerengagement für Weltkulturerbe hinaus werden wir eine rot-grüne Landesregierung dafür gewinnen offensiv mit der Region für das Weltkulturerbe zu werben. Eine der wichtigsten Maßnahmen wäre deshalb für Rückenwind aus Wiesbaden zu sorgen.
Die Bundestagsvizepräsidentin und kulturpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN, Antje Vollmer hat die Idee der Weltkulturerbe-Bewerbung überhaupt erst populär gemacht, und durch mehrere Veranstaltungen gezeigt wie wichtig uns die Bewerbung für die Region ist.

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Uwe Frankenberger, MdL, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung:

1. Die historischen Gartenkunstwerke Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal sind für die Anmeldung als UNESCO-Welterbe vorgesehen. Was bedeuten Ihnen persönlich die Gärten von Kassel? Haben Sie dort einen Lieblingsplatz?
Mit den Parks und Gärten von Kassel geht es mir wie vielen Einheimischen. Man nutzt sie, man schätzt sie, aber man weiß ihren kulturhistorischen Rang nicht mehr angemessen zu würdigen. Die Aufnahme in die Welterbeliste ist deshalb eine hervorragende Initiative. Das Engagement des Vereins »Bürger für das Welterbe« wird dabei - so hoffe ich - eine wichtige Rolle spielen. Auf den Sachverstand, die Phantasie und Kreativität seiner Mitglieder sollte die Stadt nicht verzichten!

2. Welche Vorteile wird Ihrer Ansicht nach das Prädikat »UNESCO-Welterbe« für Kassel, Calden und die Region haben?
Ohne Zweifel würde die Aufnahme in die Welterbeliste noch mehr Touristen aus aller Welt nach Kassel und in die Region locken. Da nach jüngsten Untersuchungen etwa 80 Prozent der Städtereisen kulturell bedingt sind, wird das Prädikat dem Fremdenverkehr einen zusätzlichen Schub geben. Zudem hängt die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend von den sogenannten weichen Standortfaktoren ab. Neue Unternehmen mit ihren Fach- und Führungskräften sehen nicht nur sehr genau hin, wie es um die infrastrukturellen Rahmenbedingungen bestellt ist, sondern was eine Stadt an Kultur- und Freizeitwerten zu bieten hat.

3. Die vorläufige deutsche Tentativliste verhindert eine schnellere Anmeldung der drei Gärten im Einzelfall nicht, wenn andere Bewerber ihre Termine nicht halten können. Wie werden Sie sich dafür einsetzen, die Anmeldung innerhalb der nächsten Legislaturperiode fertigzustellen und auf den Weg zu bringen, um diese Option zu wahren?
Ich werbe dafür, starke Partner zu suchen, denn ich sehe Möglichkeiten einer engen Zusammarbeit mit weiteren Institutionen und Initiativen. Die Bewerbung Kassels als Europäische Kulturhauptstadt 2010 ist mit Sicherheit aussichtsreicher, wenn wir mit Hochdruck das Prädikat Welterbe anstreben. Die weitere Entwicklung von Bad Wilhelmshöhe und der Ausbau des ohnehin schon hervorragenden Museumsstandorts Kassel (Stichworte: Königstor, Industriemuseum Rothenditmold) können diese Anstrengungen ideal ergänzen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es ein transparentes und breit angelegtes Verfahren gibt. Die Stadt muss Begeisterung für diesen Prozess wecken.

4. Obwohl seit 1997 die Bewerbung des Bergparks Wilhelmshöhe vorgesehen ist, dringt nur wenig über konkrete Maßnahmen nach außen. Bei der Welterbestätte Mittelrhein, aufgenommen 2002, war die Einsetzung eines hochrangigen, ausschließlich damit befassten Regierungsbeauftragen der Schlüssel zum Erfolg. In nur 3 Jahren war die Sache perfekt. Wäre die Einsetzung eines Welterbe-Managements nicht auch für Kassel der richtige Weg?
Es spricht einiges dafür, ein Welterbe-Management einzusetzen. Zumindest war dies bei der Welterbestätte Mittelrhein der Schlüssel zum Erfolg. Dort hat man mit der damit beauftragten Person eine wirklich glückliche Hand gehabt. Deshalb sollte man auch vor Ort ernsthaft prüfen, wer mit dieser Aufgabe betraut werden könnte und wie man den Bewerbungsprozess professionalisiert und vor allem finanziert. Hier sehe ich ganz eindeutig das Land in der Pflicht, einen angemessenen finanziellen Beitrag zu leisten.

5. Die UNESCO stellt an Welterbestätten und deren unmittelbare Umgebung hohe Bedingungen (Stichworte Unversehrtheit, Umwelt- und Verkehrsbelastung, Urbanisierungsdruck, Nutzung, angemessener Tourismus). Mit welchen Widerständen rechnen Sie bei der Durchsetzung der UNESCO-Anforderungen?
Vordringlich dürfte die Erstellung eines Gesamtverkehrskonzepts sein. Je attraktiver die Parkanlagen auch durch das Prädikat werden, desto mehr Mobilität wird verursacht. Dieser Zuwachs muss verträglich gesteuert werden. Ansonsten gilt es, die Stadtentwicklung in den Randbereichen sehr sensibel zu handhaben. In Kassel-Calden sehe ich wegen der gewählten Flugschneise keine Gefahr für die Bewerbung, gleiches gilt für die fehlende Kuppel der Galerie Alter Meister in Schloss Wilhelmshöhe.

6. Wir möchten in einem Jahr bei Ihnen wieder nachfragen. Welche konkreten Aufgaben stellen Sie sich im Hinblick auf das Welterbe Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal für diesen Zeitraum?
Was ich mir für 2003 vornehme: Einen Beitrag zu leisten, um die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren und damit mehr Akzeptanz und Bewusstsein zu schaffen und die Basis der Zuarbeit zu vergößern. Und vielleicht gelingt es ja auch mit ersten politischen Beschlüssen 2003, nicht nur mit dem Herkules auf den Olymp zu steigen, sondern mit der neuen Herkulesbahn auf den Olymp zu fahren. Denn welches andere Verkehrsmittel könnte besser und dabei komfortabel und umweltfreundlich das Welterbe vom Herkules aus erschließen?

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Ruth Fürsch, Direktkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Kassel-West:

1. Die historischen Gartenkunstwerke Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal sind für die Anmeldung als UNESCO-Welterbe vorgesehen. Was bedeuten Ihnen persönlich die Gärten von Kassel? Haben Sie dort einen Lieblingsplatz?
Meine persönliche Zuneigung gilt vor allem dem Bergpark Wilhelmshöhe. Am liebsten besuche ich den Bergpark an sonnigen, klaren und schneereichen Wintertagen, weil dann die Sichtachsen der Gartenanlage am deutlichsten hervortreten. Mein Lieblingsplatz im Sommer ist das Rosental.

2. Welche Vorteile wird Ihrer Ansicht nach das Prädikat »UNESCO-Welterbe« für Kassel, Calden und die Region haben?
Diese Auszeichnung würde hervorheben, dass Kassel neben der Documenta und der reichen Museenlandschaft einen Höhepunkt von weltweiter Beachtung und Anerkennung besitzt.
Dass dieses Ensemble aus Bergpark, Karlsaue und Schloss Wilhelmsthal durch seine geographische Anordnung die Stadt und den Landkreis Kassel noch dabei unterstützt, kulturell stärker zusammenzuarbeiten, finde ich ausgesprochen positiv. So kann die Kulturregion Nordhessen noch stärker zusammenwachsen.

3. Die vorläufige deutsche Tentativliste verhindert eine schnellere Anmeldung der drei Gärten im Einzelfall nicht, wenn andere Bewerber ihre Termine nicht halten können. Wie werden Sie sich dafür einsetzen, die Anmeldung innerhalb der nächsten Legislaturperiode fertigzustellen und auf den Weg zu bringen, um diese Option zu wahren?
Bei der Bewerbung um die Aufnahme ins Weltkulturerbe finden zunehmend Standortfaktoren, wie Vermarktung der Welterbeidee, die Identifikation der Bevölkerung und der verantwortlichen Politiker mit dem Welterbe und das Engagement für die Stätte eine Rolle. Das alles wird in Kassel und im Landkreis meiner Meinung nach sträflich vernachlässigt. Ich werde mich in der nächsten Legislaturperiode dafür einsetzen, dass Kassel zu einem Standort der Gartenkunst und Gartenkultur ausgebaut wird. Dazu gehören fachliche Angebote, aber auch die Einrichtung von entsprechenden Läden, Ausstellungen und Beratungs- und Verkaufsangeboten. Kassel könnte ein Deutsches Zentrum für Gartenkultur werden, das an die Tradition der englischen Gartenkunst anknüpft.
  Ich würde die Anregung eines Bürger-Euro für die Vermarktung der Welterbeidee forcieren, weil in Zeiten der leeren öffentlichen Kassen, es wichtig ist, dass sich die Bürger für eine solche Idee auch finanziell zu beteiligen. Den richtigen Ansatz dazu hat bereits der Verein Bürger für das Welterbe gefunden.
  Ganz wichtig erscheint es mir, eine Gartenpartnerschaft mit dem Gartenreich Dessau-Wörlitz zu schließen, um von den Erfahrungen der Wörlitzer auf deren Weg zum Weltkulturerbe zu profitieren. Diese Verbindung könnte von einem regen Austausch -und Besuchsprogramm geprägt sein.
  Verkehrspolitisch muss der Ausbau des Verkehrslandeplatzes Kassel-Calden zu einem Regionalflughafen verhindert werden und die Frage der Verkehrsanbindung und Verbindung der Welterbestätte neu überdacht und konzipiert werden.

4. Obwohl seit 1997 die Bewerbung des Bergparks Wilhelmshöhe vorgesehen ist, dringt nur wenig über konkrete Maßnahmen nach außen. Bei der Welterbestätte Mittelrhein, aufgenommen 2002, war die Einsetzung eines hochrangigen, ausschließlich damit befassten Regierungsbeauftragen der Schlüssel zum Erfolg. In nur 3 Jahren war die Sache perfekt. Wäre die Einsetzung eines Welterbe-Managements nicht auch für Kassel der richtige Weg?
Selbstverständlich. Dieses Management sollte aus professionellen Kulturmanagern, Politikern, engagierten Bürgern und Personen des öffentlichen Lebens zusammengestellt werden.

5. Die UNESCO stellt an Welterbestätten und deren unmittelbare Umgebung hohe Bedingungen (Stichworte Unversehrtheit, Umwelt- und Verkehrsbelastung, Urbanisierungsdruck, Nutzung, angemessener Tourismus). Mit welchen Widerständen rechnen Sie bei der Durchsetzung der UNESCO-Anforderungen?
Derzeitiger und sicher künftiger Hauptwiderstand ist der geplante Ausbau des Flughafens Kassel-Calden.

6. Wir möchten in einem Jahr bei Ihnen wieder nachfragen. Welche konkreten Aufgaben stellen Sie sich im Hinblick auf das Welterbe Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal für diesen Zeitraum?
Konkret nehme ich mir für das nächste Jahr den Punkt der Vernetzung, bzw. Partnerschaft mit dem Gartenreich Dessau-Wörlitz vor. Ich möchte eine oder zwei Reisen von interessierten nordhessischen Bürgern nach Wörlitz organisieren und umgekehrt dafür werben, dass die Wörlitzer in die Region kommen, um über ihre Arbeit zu berichten.

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Christoph René Holler, Landtagskandidat der CDU für den Wahlkreis Kassel-Ost

1. Die historischen Gartenkunstwerke Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal sind für die Anmeldung als UNESCO-Welterbe vorgesehen. Was bedeuten Ihnen persönlich die Gärten von Kassel? Haben Sie dort einen Lieblingsplatz?
Die historischen Gartenkunstwerke Kassels haben für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und des Umlandes eine große Bedeutung. Für mich persönlich stellen sie ein wunderschönes Naherholungsgebiet dar, welches in seiner Vielfalt einzigartig ist. Mein persönlicher Lieblinsplatz ist die Roseninsel.

2. Welche Vorteile wird Ihrer Ansicht nach das Prädikat »UNESCO-Welterbe« für Kassel, Calden und die Region haben?
In dem Prädikat sehe ich sehr große Vorteile für Wirtschaft, Tourismus und Kultur. Das Prädikat »Weltkulturerbe« stellt uns ein nicht zu unterschätzendes Marketing-Instrument zur Verfügung, um Kassel weit über die europäischen Grenzen hinaus bekannt zu machen. Konkrete Auswirkungen werden im nächsten Jahr in einem von der Hessischen Landesregierung in Auftrag gegebenen Großgutachten detailliert dargestellt. Dafür sind 130.000 € im Haushalt eingestellt worden. Den Ergebnissen des von ausgewiesenen Fachleuten zu erstellenden Gutachtens möchte ich deswegen nicht weiter vorgreifen.3. Die vorläufige deutsche Tentativliste verhindert eine schnellere Anmeldung der drei Gärten im Einzelfall nicht, wenn andere Bewerber ihre Termine nicht halten können. Wie werden Sie sich dafür einsetzen, die Anmeldung innerhalb der nächsten Legislaturperiode fertigzustellen und auf den Weg zu bringen, um diese Option zu wahren?
  Die Anmeldung innerhalb der nächsten Legislaturperiode fertig zu stellen erscheint mir aus verschiedenen Gründen völlig unrealistisch. Zu viele Dinge müssen im Vorfeld geregelt, planungsrechtlich umgesetzt und haushaltstechnisch abgesichert werden. Man muss sich vergegenwärtigen, dass es nicht mehr nur um ein Bauwerk, sondern um eine Kulturlandschaft geht. Wie Sie wissen, wird die Anmeldung durch das Land Hessen vorgenommen. Die notwendigen Vorarbeiten seitens der Stadt und des Landkreises Kassel sowie aller anderen Beteiligten sind in vollem Gange. Für die Anmeldung ist das Jahr 2014 vorgesehen. Wir hoffen allerdings, früher fertig zu werden, allerdings nicht mehr in der nächsten Legislaturperiode.

4. Obwohl seit 1997 die Bewerbung des Bergparks Wilhelmshöhe vorgesehen ist, dringt nur wenig über konkrete Maßnahmen nach außen. Bei der Welterbestätte Mittelrhein, aufgenommen 2002, war die Einsetzung eines hochrangigen, ausschließlich damit befassten Regierungsbeauftragen der Schlüssel zum Erfolg. In nur 3 Jahren war die Sache perfekt. Wäre die Einsetzung eines Welterbe-Managements nicht auch für Kassel der richtige Weg?
Ursprünglich bezog sich die Bewerbung auf das Gesamtensemble Wilhelmshöhe. Erst später wurde es verändert auf die Gartenkunstwerke Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal. Die Einbeziehung eines Managers wäre sicherlich eine interessante Option. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der staatlichen Verwaltung, der Stadt und des Landkreises Kassel einberufen hat. Diese Arbeitsgruppe tagt seit Anfang 2001. Seit dieser Zeit hat sie kontinuierlich einen von ihr erarbeiteten Themenkatalog abgearbeitet, der ein breites Spektrum aller mit dem Projekt befassten Fragestellungen abdeckt.

5. Die UNESCO stellt an Welterbestätten und deren unmittelbare Umgebung hohe Bedingungen (Stichworte Unversehrtheit, Umwelt- und Verkehrsbelastung, Urbanisierungsdruck, Nutzung, angemessener Tourismus). Mit welchen Widerständen rechnen Sie bei der Durchsetzung der UNESCO-Anforderungen?
Die hohen Ansprüche durch die UNESCO an die Welterbestätten stellen an uns genau wie an alle anderen Bewerber sicherlich hohe Anforderungen. Allerdings bin ich der Überzeugung, dass wir gemeinsam mit allen Beteiligten Wege finden, die damit verbundenen Aufgaben zu schultern.6. Wir möchten in einem Jahr bei Ihnen wieder nachfragen. Welche konkreten Aufgaben stellen Sie sich im Hinblick auf das Welterbe Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal für diesen Zeitraum?
  Der Beschluss des Welterbekomitees in Helsinki vom Dezember 2001 – Halbierung der Neuaufnahmen – und die anderen Entscheidungen in Bezug auf die Reformbeschlüsse, die der Inflation der Welterbeliste Einhalt gebieten, haben dazu geführt, dass der Termin für die Eintragung von Schloss und Park Wilhelmshöhe um mehrere Jahre auf 2015 verschoben werden musste. Dies kann und muss man bedauern, oder es als Chance begreifen. Uns bietet sich nun die Möglichkeit, die Aufnahmekriterien der Einzigartigkeit und Authentizität erfüllend, diese Kulturlandschaft entsprechend zu präsentieren und damit den Antrag auf nationaler und hoffentlich auch auf internationaler Ebene einer geringeren Konkurrenz auszusetzen. Das Aufgabenspektrum reicht hierbei von der Abgrenzung des Gebietes als Welterbestätte über die Ausweisung der Pufferzone, die Sicherstellung der Quellwasser für die Wasserspiele, das Verkehrskonzept für den Park, Aus- und Beschilderung innerhalb der Parkanlagen über Eigentumsfragen bis hin zu Parkplatz- und Toilettenanlagen, nur um einige konkrete Dinge zu nennen. Die Aufgaben dieses »Mammutprojektes« sollten weiter kontinuierlich abgearbeitet werden.

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Ilka Müller-Jastrzembowski, Landtagskandidatin der FDP, Wahlkreis Kassel West

1. Die historischen Gartenkunstwerke Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal sind für die Anmeldung als UNESCO-Welterbe vorgesehen. Was bedeuten Ihnen persönlich die Gärten von Kassel? Haben Sie dort einen Lieblingsplatz?
Ich habe das große Glück, dass ich von meinem Balkon auf die Ausläufer des Bergparks und den Herkules schaue und den Wechsel der Jahreszeiten verfolgen kann. Gerade jetzt, wenn sich die Farbenpracht des Laubes entfaltet, ist das für mich jedes mal aufs Neue ein faszinierendes Farbenspiel. Ich nehme mir jeden morgen nach dem Aufstehen Zeit, um dieses Schauspiel der Natur zu genießen.
  Ich genieße es im Bergpark zu joggen, im Winter mit meinen Nichten dort zu rodeln und Waschbären zu beobachten bzw. in der Aue zu joggen, wenn meine Kraft nach einem anstrengenden Tag nicht mehr für die Hügel des Bergparks reicht. Im Schlossgarten Wilhelmstal relaxe ich unter den alten Eichen bei einem leckeren Picknick mit einem guten Rotwein. Diesen Moment der Stille und der Zwiesprache mit der Natur, das ist ein echter Luxus für mich. Ich bin froh und stolz darauf, dass uns die Historie ein solches Erbe in die Verantwortung gegeben hat und wir in der Region es so direkt und einfach genießen können.

2. Welche Vorteile wird Ihrer Ansicht nach das Prädikat »UNESCO-Welterbe« für Kassel, Calden und die Region haben?
Durch das Prädikat »Unesco-Welterbe« wird deutlich, dass wir hier in Nordhessen im Bereich der Gartenkunstwerke etwas einzigartiges haben. Und dass wir uns damit in einer Reihe der ersten touristischen Adressen stellen. Damit kann man natürlich werben. Denn gerade der Markt der Kurzurlauber wird steigen und angesichts der Terroranschläge entdecken deutsche Touristen ihre Heimat wieder.
  Deshalb eine klare Aussage: die Erlangung des Prädikates »Unesco-Welterbe« hat für mich eine hohe Priorität. Ich bin davon überzeugt, dass Politik und Wirtschaft ein außerordentliches Interesse daran haben, dass wir diese Auszeichnung erhalten. Ob als Unternehmerin, Privatperson oder politisch engagierter Mensch, eine solche Auszeichnung wäre ein Prädikat, dass wir im Alltag genauso, wie in der strategischen Vermarktung unserer Region zielgerichtet einsetzen könnten. Unternehmerisch fällt mir sofort ein, dass ich zukünftig nicht mehr nur aus der documenta-Stadt grüße oder hierher einlade, sondern unsere Kunden mit dem UNESCO-Prädikat auf Kassel (noch) neugierig(er) mache. Politisch würde ich sofort damit werben, mehr Sitzungen als bisher hier in Nordhessen durchzuführen, um danach diese Stätten zu genießen! Nur auf diesem Wege machen wir eine Auszeichnung »lebendig« und zum Vorteil für uns selbst und die Region. Deshalb ist es aus meiner Sicht auch extrem wichtig, möglichst viele Menschen und Verantwortliche in den Prozess einzubinden. Denn ein solches Prädikat hat nur dann Vorteile für unsere Region, wenn wir es selbst aktiv in jedem geschäftlichen, politischen und persönlichen Kontakt nach außen tragen. Aus einer bloßen Meldung in der Presse und einem Fototermin zur Urkundenübergabe bei einer möglichen Auszeichnung entsteht automatisch keinerlei Vorteil, dieser hängt von unser aller Engagement selbst ab!

3. Die vorläufige deutsche Tentativliste verhindert eine schnellere Anmeldung der drei Gärten im Einzelfall nicht, wenn andere Bewerber ihre Termine nicht halten können. Wie werden Sie sich dafür einsetzen, die Anmeldung innerhalb der nächsten Legislaturperiode fertigzustellen und auf den Weg zu bringen, um diese Option zu wahren?
Nachdem ich jetzt durch Ihre Fragen zu diesem regionalen Thema aufgerüttelt worden bin, was mir zeigt, dass das Thema bisher in der Öffentlichkeit tatsächlich zu wenig Beachtung gefunden hat, werde ich mich natürlich innerhalb der FDP und in der Landesregierung, dafür einsetzen, dass die Bewerbung die notwendige politische Unterstützung findet. Unser Parteiprogramm und die bisherige kulturpolitische Arbeit, mit den gestiegenen Investitionen in diesem Bereich, unterstützen und fordern solche Vorhaben ausdrücklich.
  Aber »Einsetzen« bedeutet für mich ganz persönlich, das Thema ab heute überall auch öffentlich zu besetzen, um die Bürger und Entscheider der Region aufmerksam zu machen.

4. Obwohl seit 1997 die Bewerbung des Bergparks Wilhelmshöhe vorgesehen ist, dringt nur wenig über konkrete Maßnahmen nach außen. Bei der Welterbestätte Mittelrhein, aufgenommen 2002, war die Einsetzung eines hochrangigen, ausschließlich damit befassten Regierungsbeauftragen der Schlüssel zum Erfolg. In nur 3 Jahren war die Sache perfekt. Wäre die Einsetzung eines Welterbe-Managements nicht auch für Kassel der richtige Weg?
Ich bin kein Freund von oben aufgesetzten »Chefsachen« bzw. »Beauftragten«. Sie funktionieren nur dann, wenn die nötige Begeisterung und das nötige Engagement bei allen Beteiligten für ein Thema vorhanden ist. Meine persönliche und politische Überzeugung lebt von einer sehr eigenverantwortlichen Bürgergesellschaft, so wie es die FDP in ihrem Programm formuliert: »Kulturpolitik lebt vom Zusammenwirken öffentlich geförderter Kultureinrichtungen mit privatem Engagement«.
  Zeigen wir mit unserem privaten, ehrenamtlichen sowie institutionellem Engagement hier in der Region, dass ein professionelles Management des zukünftigen Welterbe-Prozesses sich lohnt und das Engagement auch nach der Auszeichnung, ohne das Management, weiterlebt. Der Bürgerverein »Bürger für das Welterbe e.V.« ist dafür der genau richtige Weg, den Institutionen und politisch Verantwortlichen »auf die Füße zu treten«. Natürlich ist eine Zusammenarbeit mit der hessischen Landesregierung hierfür unterlässlich.

5. Die UNESCO stellt an Welterbestätten und deren unmittelbare Umgebung hohe Bedingungen (Stichworte Unversehrtheit, Umwelt- und Verkehrsbelastung, Urbanisierungsdruck, Nutzung, angemessener Tourismus). Mit welchen Widerständen rechnen Sie bei der Durchsetzung der UNESCO-Anforderungen?
Typische Gefahrenquellen sehe ich immer dort, wo Besitzstände und Bequemlichkeit angetastet werden könnten. Beides trifft meistens dann zu, wenn es um die Themen Verkehr/Mobilität und Wohnen geht. Gerade die Aue und der Bergpark sind in beiden Bereichen ganz deutlich betroffen. Es ist schick, dicht an Parkanlagen zu wohnen und direkt an den Eingängen parken zu können. Hier wird es in Sachen Stadtentwicklung und Bebauungsplänen eine Menge zu klären geben.
Von daher ist eine frühe Einbindung aller Beteiligten in Arbeitsgruppen für das Gelingen unerlässlich.

6. Wir möchten in einem Jahr bei Ihnen wieder nachfragen. Welche konkreten Aufgaben stellen Sie sich im Hinblick auf das Welterbe Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal für diesen Zeitraum?
Mir sind realistische, offene Worte und Ziele ganz wichtig. Da ich nicht in erster Linie Kulturpolitikerin bin, gilt es für mich jetzt ganz pragmatisch vorzugehen:
  Ich erkenne den Vorteil für unsere Region bei diesem Thema, denn nach meiner Überzeugung ist Kulturentwicklung ein ganz erheblicher Standortvorteil und damit Wirtschaftsfaktor unserer Region.
  Daher möchte ich mich zu diesem Thema schlau machen (lassen) und freue mich, wenn ich mit den Verantwortlichen des Bürgervereins »Bürger für das Welterbe e.V.« sprechen könnte und aus dem derzeitigen IST-Stand einen ganz pragmatischen Zeit- und Aktivitätenplan mitnehmen könnte. Einer Einladung zu einer Sitzung, soweit dies möglich ist, würde ich sofort zusagen, um dann die weiteren Schritte gehen zu können.
  Natürlich werde ich dieses Thema jetzt in jedem passenden Gespräch anbringen und damit für ein Stück Öffentlichkeit sorgen. Ein Thema »lebendig« zu machen ist immer der erste und meines Erachtens nach der wichtigste Schritt.

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Dr. Andreas Jürgens, Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis 4 (Kassel-Ost).

1. Die historischen Gartenkunstwerke Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal sind für die Anmeldung als UNESCO-Welterbe vorgesehen. Was bedeuten Ihnen persönlich die Gärten von Kassel? Haben Sie dort einen Lieblingsplatz?
Die Blumen-Insel Siebenbergen im späten Frühjahr ist unübertroffen.

2. Welche Vorteile wird Ihrer Ansicht nach das Prädikat »UNESCO-Welterbe« für Kassel, Calden und die Region haben?
Durch die documenta ist Kassel alle fünf Jahre eine Kulturregion von Weltgeltung. Das Weltkulturerbe würde bedeuten, dass auch die historischen Kulturdenkmäler den ihnen zukommenden Rang erhielten. Moderne und historische Kultur könnten sich ideal ergänzen. Für die Anziehungskraft der Region auf Kulturinteressierte, Touristen, Städtereisende und Veranstalter von Tagungen und Kongressen wäre dies von unschätzbarem Wert. In Verbindung mit einer klugen Vermarktung zusammen etwa mit den Wellness-Angeboten der Region liegen hier auch große wirtschaftliche Potentiale.

5. Die UNESCO stellt an Welterbestätten und deren unmittelbare Umgebung hohe Bedingungen (Stichworte Unversehrtheit, Umwelt- und Verkehrsbelastung, Urbanisierungsdruck, Nutzung, angemessener Tourismus). Mit welchen Widerständen rechnen Sie bei der Durchsetzung der UNESCO-Anforderungen?
Der Ausbau des Flughafens Kassel-Calden mit seinen großen Umweltbelastungen wäre außerordentlich schädlich. Die Grünen wollen die gesamte Region Nordhessen mit einem Strukturprogramm für sanften Tourismus, erneuerbare Energien und besseren Schienenverkehr unterstützen. Hierzu gehört auch der Schutz der historischen Kulturgüter und deren Pflege.

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Roland Koch (CDU), Ministerprädident des Landes Hessen
Frage: Mit welchen Maßnahmen schaffen Sie in der kommenden Legislaturperiode die Voraussetzungen für die Bewerbung der »Landgräflichen Gärten« Kassel und Calden als UNESCO-Welterbe?
Antwort: Für den Eintrag in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes sollen die Landgräflichen Gärten in Kassel und Umgebung angemeldet werden: also der Bergpark Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmstal in Calden. Nach der zwischen den verschiedenen Bundesländern abgesprochene Anmeldeliste, welche die Reihenfolge der Anmeldungen aus Deutschland festlegt, besteht nach der derzeitigen Lage bei der UNESCO etwa in den Jahren 2011 bis 2014 eine Möglichkeit, die Parkanlagen anzumelden.
  Schon jetzt und in den folgenden Jahren treffen wir aber die Vorkehrungen, um die Kriterien der UNESCO zu erfüllen, die für die Anmeldung Voraussetzung sind. Allein im Rahmen des Kulturinvestitionsprogramms, das von uns als Landesregierung aufgelegt worden ist, sind für die Kasseler Anlagen bis 2008 rund 13 Millionen Euro vorgesehen.
  Wichtig ist aber auch, über dieses wichtige Projekt zu informieren und zu werben. In diesem Jahr wird deshalb eine Broschüre herausgegeben, mit der die für die Anmeldung vorgesehenen Objekte der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.

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Eva Kühne-Hörmann MdL (CDU)

Zu Frage 1 (Die historischen Gartenkunstwerke Wilhelmhöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal sind für die Anmeldung als UNESCO Welterbe vorgesehen. Was bedeuten Ihnen persönlich die Gärten von Kassel? Haben Sie dort einen Lieblingsplatz?):
Die Gärten von Kassel, in denen ich von Kindesbeinen an unterwegs bin, bedeuten mir sehr viel.
Mein Lieblingsplatz ist eine Bank am Fontänenteich, von der aus man auf den Herkules blickt und rückwärtig auf das Schloß.

Zu Frage 2 (Welche Vorteile wird Ihrer Ansicht nach die das Prädikat UNESCO Welterbe für Kassel-Calden und die Region haben?):
Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass mit der Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO die Attraktivität eines Ortes gesteigert wird. Insbesondere die touristische Nachfrage steigt, womit wirtschaftliche Vorteile für die Region unter anderem im Gastronomiebereich sowie der Hotellerie verbunden sind. Darüber hinaus werden auch für das Umfeld kulturelle Impulse gegeben.
  Im konkreten Fall würden sich wohl die meisten Kulturtouristen, die sich ein Welterbe in der Region Kassel anschauen, auch z.B. mit der vielfältigen Museumslandschaft in Kassel befassen. Darüber hinaus würde Kassel neben der Documenta noch ein weiteres hochkarätiges »Eisen im Feuer« haben, das die Stadt weltweit bekannter macht. Insoweit stimme ich der Zwischenüberschrift des Artikels »Mit Herkules auf den Olymp« zu, laut der sich die Region Kassel mit der Aufnahme in die UNESCO Welterbeliste »kulturell weltweit in der ersten Liga etablieren könnte«. Gleichzeitig könnte eine zeitnahe Aufnahme in die Welterbeliste die Chancen der Stadt Kassel bei der Bewerbung um den Titel »Kulturhauptstadt Europas 2010« erhöhen.

Zu Frage 3 (Die vorläufige deutsche Tentativliste verhindert eine schnellere Anmeldung der drei Gärten im Einzelfall nicht, wenn andere Bewerber ihre Termine nicht halten können. Wie werden Sie sich dafür einsetzen, die Anmeldung innerhalb der nächsten Legislaturperiode fertigzustellen und auf den Weg zu bringen, um diese Option zu wahren?):
Da es sich in Kassel – im Gegensatz z.B. zum Mittelrheintal – um eine Bewerbung einer Kommune handelt, ist in erster Linie auch diese für die Bewerbung, d.h. auch das Erstellen von Gutachten, Unterlagen, etc. verantwortlich. Um in diesem Bereich ein größtmögliche Effizienz zu erlangen, werde ich mich vor Ort um eine bessere Vernetzung der Kasseler Potentiale und der verantwortlich Handelnden bemühen. Denn nur ein gemeinsames Arbeiten und nicht nur ein sich nebeneinander Bemühen kann dieses Projekt zu einem erfolgreichen Ende führen.
Das Land Hessen kann in diesem Verfahren nur Hilfestellungen, z.B. bei der Beratung und Zusammenstellung hinsichtlich entsprechender Bewerbungsunterlagen, leisten. Hierfür werde ich mich beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst – sozusagen als Kommunikationsschnittstelle zwischen Kommune und Land – einsetzen.

Zu Frage 4 (Obwohl seit 1997 die Bewerbung des Bergparks Wilhelmshöhe vorgesehen ist, dringt nur wenig über konkrete Maßnahmen nach außen. Bei der Welterbestätte Mittelrhein, aufgenommen 2002, war die Einsetzung eines hochrangigen, ausschließlich damit befassten Regierungsbeauftragten der Schüssel zum Erfolg. In nur drei Jahren war die Sache perfekt. Wäre die Einsetzung eines Welterbe-Managements nicht auch für Kassel der richtige Weg?):
Wie bereits zu Frage 3 ausgeführt, ist die Bewerbung um die Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO zunächst einmal eine Sache Kassels. Ob die Kommune einen eigens hierfür Beauftragten mit dem Thema befassen möchte, liegt letztlich in Ihrer Verantwortlichkeit. Gerade vor dem Hintergrund der Konkurrenz aus Ostdeutschland schon bei der Aufnahme in die deutsche Tentativliste scheint dies aber durchaus sinnvoll. Denn sowohl das finanzielle wie auch das ideelle Engagement der interessierten Kommunen in Ostdeutschland, scheint das westlicher Kommunen doch häufig zu übertreffen. Ein Blick dorthin könnte also ebenfalls hilfreich sein.
Gleichzeitig ist aber auch festzuhalten, dass es sich bei der Aufnahme des Mittelrheintals in die Welterbeliste der UNESCO um einen deutlich von einer Kasseler Bewerbung zu unterscheidenden Sachverhalt handelte. Zum einen war es eine überregionale, ja bundesländerübergreifende Initiative. Insofern ist es selbstverständlich nachvollziehbar, dass die Bewerbung von den Ländern Rheinland-Pfalz und Hessen vorangetrieben wurde und nicht von einzelnen Kommunen.
  Ferner wurde das Mittelrheintal in die noch relativ junge Kategorie der Weltkulturlandschaft aufgenommen. In diesem Bereich ist die Konkurrenz sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene nicht so groß wie im Bereich des Weltkulturerbes.
  Ähnliches gilt auch für das Weltnaturerbe Grube Messel. Da es sich hierbei meines Erachtens nach um das einzige Weltnaturerbe in ganz Deutschland handelt, bestand natürlich ein originäres Landesinteresse, die entsprechende Bewerbung in Landesverantwortung durchführen zu lassen.

Zu Frage 5 (Die UNESCO stellt an Welterbestätten und deren unmittelbare Umgebung hohe Bedingungen, Stichwort Unversehrtheit, Umwelt- und Verkehrsbelastung, Urbanisierungsdruck, Nutzung, angemessener Tourismus). Mit welchen Widerständen rechnen Sie bei der Durchsetzung der UNESCO-Anforderungen?):
Neben etwaigen regionalen Widerständen wird es auch noch eine Menge anderer Probleme zu lösen gelten. Sollte die Stadt Kassel die Unterlagen fertiggestellt und über das Land an das Auswärtige Amt weitergeleitet haben, so müsste die deutsche UNESCO-Kommission zunächst einmal über die Aufnahme in die entsprechende nationale Bewerbungsliste entscheiden. Wie bereits erwähnt ist hier mit großer Konkurrenz insbesondere aus Ostdeutschland zu rechnen. Erst im Anschluss würde eine Bewerbung an die internationale UNESCO-Kommission weitergeleitet werden. Auf dieser Ebene besteht das Problem, dass die UNESCO Bewerbungen aus der »1. Welt« – insbesondere im Hinblick auf die Kategorie Weltkulturerbe – derzeit zurückgestellt hat. Insoweit gibt es ein entsprechendes Moratorium. Zukünftig sollen vorrangig Projekte aus Süd- und Mittelamerika, Afrika und Asien (»3. Welt«) Berücksichtigung finden. Insoweit sind die Erfolgsaussichten deutscher – und auch hessischer - Vorhaben derzeit als eher gering einzustufen. Dies gilt umso mehr, als dass es Signale gibt, dass die von vier Bundesländern vorgetragene Bewerbung zur Aufnahme des Limes in die Weltkulturerbeliste der UNESCO von Erfolg gezeitigt sein wird. Damit werden sich höchstwahrscheinlich die Chancen weiterer, zukünftiger Projekte aus dieser Region verringern.
  Ich hielte es jedoch für verfehlt, aus diesem Grund schon von vorneherein zu kapitulieren und sich erst gar nicht mehr zu bemühen. Denn Widerstände und Bedenkenträger wird, egal für welches Projekt, immer geben.

Zu Frage 6 (Wir möchten in einem Jahr bei Ihnen wieder nachfragen. Welche konkreten Aufgaben stellen Sie sich im Hinblick auf das Welterbe Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal für diesen Zeitraum?):
Wie bereits zu Frage 3 erwähnt, sehe ich den Schwerpunkt meines Engagements im Hinblick auf das Welterbe Wilhelmshöhe auf kommunaler Ebene. Vor Ort daran mitzuwirken, dass effiziente Strukturen für ein zielgerichtetes Arbeiten an der Bewerbung entstehen, ist dabei das Hauptanliegen. Ferner möchte ich als Landtagsabgeordnete in Wiesbaden gleichsam als Verbindungsstelle für eine nachhaltige Kommunikation mit dem Land dienen.

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Günter Meise, Landtagskandidat Kassel-Ost für die FDP

Sehr geehrte Damen und Herren,
  als regelmäßiger Besucher des Parks Wilhelmshöhe oder der Karlsaue, nutze ich diese herrlichen Anlagen besonders in den Morgenstunden zu längeren Spaziergängen. Das Erleben von Flora und Fauna entspannt, und die Gartenkunst bietet zu jeder Jahreszeit immer neue, faszinierende Eindrücke.
  Das Prädikat »UNESCO-Welterbe« würde für die Region einen entscheidenden Aktivposten darstellen, und den Ruf Kassels als »Kulturstadt« unterstreichen. Der Tourismus würde sicher einen erheblichen Impuls
erfahren.
  Die Bewerbung sollte umgehend fertiggestellt werden.
  Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten und die Hessischen Ministerien sollten die notwendige Kompetenz mitbringen, um diese Aufgabe zu erledigen.
  Für mich stellen sich alle drei Anlagen als geschlossene Einheiten dar, die nicht unter übermäßigem Urbanisierungsdruck leiden, wenn man einmal von der Asphaltrasse durch den Bergpark absieht. Die touristische Nutzung ist angemessen. Bei allem Bemühen, Kulturgüter zu erhalten, darf der praktische
Nutzen für die Bürger nicht zu kurz kommen, dann werden sich Widerstände erübrigen.
  Die wichtigste Aufgabe wird sein, der Verwaltung einen klaren Zeitrahmen für die Fertigstellung der Bewerbungsunterlagen zu geben.

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Helmut von Zech, Direktkandidat der FDP zur Hessischen Landtagswahl 2003 im Wahlkreis 1

1. Die historischen Gartenkunstwerke Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal sind für die Anmeldung als UNESCO-Welterbe vorgesehen. Was bedeuten Ihnen persönlich die Gärten von Kassel? Haben Sie dort einen Lieblingsplatz?
Ich habe beide Gärten in der Regel einmal im Jahr zu verschiedenen Anlässen besucht. Die Gärten sind Gelegenheit Kassel von der »Besten Seite« zu präsentieren. Hier befindet sich auch das mir einzig bekannte Grabdenkmal eines Dackels. (Erdmann; Dackel von Wilhelm II)

2. Welche Vorteile wird Ihrer Ansicht nach das Prädikat »UNESCO-Welterbe« für Kassel, Calden und die Region haben?
Hier wird sicherlich die touristische Attraktivität von Kassel aufgewertet. Der Bestand der Gärten wird auf Dauer gesichert. Dies ist sicher ein Ziel, dass angestrebt werden sollte.

3. Die vorläufige deutsche Tentativliste verhindert eine schnellere Anmeldung der drei Gärten im Einzelfall nicht, wenn andere Bewerber ihre Termine nicht halten können.
Wie werden Sie sich dafür einsetzen, die Anmeldung innerhalb der nächsten Legislaturperiode fertigzustellen und auf den Weg zu bringen, um diese Option zu wahren?

Ich werde den Fortgang der Bewerbung durchaus fördern; die Entscheidung über die Aufnahme als »Weltkulturerbe« bleibt jedoch dem Auswahlgremium der Unesco vorbehalten. Hier sollten ausschließlich objektive Gesichtspunkte in die Bewertung einfließen.

4. Obwohl seit 1997 die Bewerbung des Bergparks Wilhelmshöhe vorgesehen ist, dringt nur wenig über konkrete Maßnahmen nach außen. Bei der Welterbestätte Mittelrhein, aufgenommen 2002, war die Einsetzung eines hochrangigen, ausschließlich damit befassten Regierungsbeauftragen der Schlüssel zum Erfolg. In nur 3 Jahren war die Sache perfekt. Wäre die Einsetzung eines Welterbe-Managements nicht auch für Kassel der richtige Weg?
Nach meinen Informationen wird gerade der Limes als Weltkulturerbe ausgewiesen. In dieser historischen Bedeutung muss auch der Bergpark Wilhelmshöhe und Wilhelmstal eingeordnet werden können. Ob dies andere Stellen das dann auch so sehen können, entzieht sich meiner Beurteilung.

5. Die UNESCO stellt an Welterbestätten und deren unmittelbare Umgebung hohe Bedingungen (Stichworte Unversehrtheit, Umwelt- und Verkehrsbelastung, Urbanisierungsdruck, Nutzung, angemessener Tourismus). Mit welchen Widerständen rechnen Sie bei der Durchsetzung der UNESCO-Anforderungen?
Es ist sicher mit lokalen Widerständen zu rechnen, jedoch glaube ich nicht, dass dies entscheidend Einfluss auf die Bewerbung nehmen kann.

6. Wir möchten in einem Jahr bei Ihnen wieder nachfragen. Welche konkreten Aufgaben stellen Sie sich im Hinblick auf das Welterbe Wilhelmshöhe, Karlsaue und Wilhelmsthal für diesen Zeitraum?
Sollte ich in mit meiner Bewerbung für den Hessischen Landtag Erfolg haben und die jetzige erfolgreiche Landesregierung wiedergewählt werden, können Sie sicher davon ausgehen, dass ich den Fortgang der Bewerbung fördern werde.